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„Die falsche Planung am falschen Standort“

Fraktionsvorsitzende von CDU und Grünen einig: 

Neubaugebiet im Ruller Esch so nicht verwirklichen –

Unmut aus Teilen der Bevölkerung – Rund 40 Besucher bei Info-Abend

„Diese Planung wird offensichtlich von einem großen Teil der Bevölkerung abgelehnt. Wir werden den Bürgerwillen achten und uns im Gemeinderat dafür einsetzen, dass dies so nicht beschlossen wird.“ Die Vorsitzenden der Ratsfraktionen von CDU und Grünen, Andre Budke und Rüdiger Schulz, reagieren mit einer gemeinsamen Erklärung auf eine Bürgerversammlung im Ruller Lingemann-Saal mit rund 40 Teilnehmern zu dem von der Gemeinde Wallenhorst geplanten Neubaugebiet „Südlich im Esch/östlich der Helmichsteine“.

Das aktuelle Konzept der Gemeindeverwaltung sieht auf der rund 90.000 Quadratmeter großen Fläche mit freiem Blick auf das nahe Nettetal den Neubau von mehr als 130 Wohneinheiten für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie auch mehrere große Reihenhäuser vor. „Wir haben heute verstanden, dass dies aus Sicht vieler Ruller Bürger die falsche Planung am falschen Standort ist“, stellen die Fraktionsvorsitzenden von CDU und den Grünen fest. „Wir sind beeindruckt, dass heute Abend trotz Grippewelle und anderen Veranstaltungen in der Nachbarschaft so viele Bürger dabei sind. Das mache deutlich, dass dieses Thema eine große Bedeutung für die Menschen vor Ort hat. Wir Ratsmitglieder sollten die hier geäußerte Kritik ernst nehmen und alles noch einmal neu auf den Prüfstand stellen.“

Sicher ist, dass es sich bei dem im Ruller Esch vorgesehenen Neubaugebiet um eine der schönsten noch unbebauten Naturflächen im gesamten Gemeindegebiet handelt. „Hier stehen etliche über 100 Jahre alte Bäume, die ortsprägend für den Ortsteil sind“, betont Alfred Lindner, der als Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Rulle zu dem Info-Abend eingeladen hatte: „Diese einmalige Naturfläche darf nicht einfach für ein Neubaugebiet platt gemacht werden.“ Ob es wirklich dazu kommt, hänge nun auch von dem Engagement der Bürger ab. Da die Stimmenzahl von CDU und Grünen im Gemeinderat aktuell nicht ausreicht, um das Vorhaben zu stoppen, müssten die Gegner des Neubaugebiets auch Ratsmitglieder aus den anderen Fraktionen gewinnen.

Derzeit sehe es nach Einschätzung von Andre Budke und Rüdiger Schulz danach aus, dass die vorliegenden Pläne der Gemeindeverwaltung von einer Mehrheit aus den anderen Ratsfraktionen von SPD, CDW/W und FDP unterstützt werden. Wesentlicher Grund sei, dass die durch den Grundstücksverkauf erhofften Einnahmen in Millionenhöhe dringend benötigt werden, um noch rechtzeitig vor der Kommunalwahl im Herbst 2026 die aktuelle Rekordverschuldung von über 50 Millionen Euro senken zu können. „Damit hofft man wohl, im Kommunalwahlkampf besser dastehen zu können“, betonten mehrere Besucher. Statt dafür eine der Perlen der Gemeinde zu opfern, sollte besser vermehrt darüber nachgedacht werden, in welchen Bereichen künftig effektiver gespart werden kann.

„Wir laden die Bürger ein, ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema den Ratsmitgliedern direkt mitzuteilen“, betonen die anwesenden Ratsmitglieder aus den Reihen der CDU und der Grünen mit Blick auf künftige Entscheidungen im Fachausschuss und im Gemeinderat. Tatsächlich nutzten etliche Anwesende die wenige Tage später einberaumte Bürgerfragestunde des Bauausschusses für zahlreiche kritische Nachfragen (siehe auch nachfolgender Bericht). Mittendrin dabei war der Ruller CDU-Ratsherr Alfred Lindner, der sich sichtlich erfreut über den Bürgerprotest aus seinem Heimatort zeigte: „Wenn die anderen Ratsfraktionen nicht zu Ihnen kommen, müssen Sie sich dort Gehör verschaffen, wo die Entscheidungen fallen.“ (H.)


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