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Am Ende zählt „das große Ganze“

Bauausschuss: Mitglieder sichtlich beeindruckt von Bürgerkritik –

Entscheidung über umstrittenes Neubaugebiet nach Abwägung aller berechtigter Interessen – „Bin ich hier im falschen Film?“

Wird auf dem Gemeinde-eigenen Grundstück „Südlich im Esch/östlich der Helmichsteine“ ein großes Neubaugebiet entstehen oder soll die Naturfläche unbebaut inklusive freiem Blick ins nahe Nettetal erhalten bleiben? In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses zeigte sich, dass es erheblichen Widerstand gegen die Verwirklichung eines städtebaulichen Konzepts gibt, das dort eine dichte Bebauung mit Platz für über 130 Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern vorsieht. Aus den Reihen der mehr als 30 Sitzungsbesucher meldeten sich mehrere mit heftiger Kritik und klaren Ansagen zu Wort: „Wer das beschließt, bekommt bei den nächsten Wahlen keine einzige Stimme aus den benachbarten Wohngebieten.“

Es dauerte fast 45 Minuten bis Sitzungsleiter Hubert Pohlmann die emotional aufgerührte Bürgerfragestunde beenden und die eigentliche Sitzung eröffnen konnte. Dort stand das strittige Thema als Mitteilungsvorlage des Bürgermeisters gleich als erstes Thema auf der Tagesordnung. Dass die Sachdarstellung und Diskussion dann mit einer detaillierten Darstellung der bereits vorliegenden Bauplanung eröffnet wurde, sorgte für sichtliches Erstaunen im Besucherraum. „Das ist so, als wenn es unsere Kritik gar nicht geben würde“ oder „Ich bin hier wohl im falschen Film“, waren nur einige Reaktionen aus dem Publikumsraum auf den knapp halbstündigen Vortrag eines von der Gemeindeverwaltung beauftragten Planungsbüros.

Dass es bei diesem Thema ungemütlich werden könnte, hatten im Verlauf der Sitzung offensichtlich auch Mitglieder des Bauausschusses gemerkt. „Hier ist noch nichts beschlossen. Wir werden Ihre Kritik auf jeden Fall sehr ernst nehmen“, betonte der CDW/W-Ratsherr Dirk Hagen mit Blick auf die Besucher. Andererseits müsse den anwesenden Bürgern auch klar sein, dass der Gemeinderat „das große Ganze“ – also die Interessen der gesamten Gemeinde – im Blick haben müsse. So gebe es im Wallenhorster Gemeindegebiet nach wie vor eine große Nachfrage nach attraktivem Bauland. Ob und in welcher Form ein Neubaugebiet auf der Fläche an den Helmichsteinen entstehen wird, werde letztlich der Gemeinderat „nach Abwägung aller berechtigten Interessen“ entscheiden. Da im Bauausschuss diesmal nur über eine Mitteilungsvorlage diskutiert wurde, werde es an diesem Tag keinen Beschluss für oder gegen das Konzept geben.

Sicher ist, dass die Gemeindeverwaltung inzwischen bekannt gegeben hat, dass bereits viel Geld für vorbereitende Maßnahmen zur Realisierung des Neubaubaugebiets investiert wurde. „Bislang belaufen sich die Kosten auf circa 52.000 Euro“, schreibt ein Gemeindesprecher auf Nachfrage des Bürger-Echos. Im Einzelnen sei die Summe für „das städtebauliche Konzept, eine Baugrunduntersuchung und eine wasserwirtschaftliche Voruntersuchung“ ausgegeben worden.

Mit welchen Einnahmen die Gemeinde durch den Verkauf der bislang angedachten Grundstücke rechnen könnte, wurde bereits bei der Sitzung des Bauausschusses bestätigt. Die Frage eines Bürgers, ob es sich dabei um eine Größenordnung von fünf bis sieben Millionen Euro handelt, wurde von dem anwesenden Gemeindekämmerer Florian Lüttkemöller wie folgt beantwortet: „Ja, das könnte in etwa so hinkommen“. (H.)


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